
Das Staatstheater Karlsruhe ist eines der größten Mehrspartenhäuser in Deutschland. Die Sparten Oper, Ballett, Konzert, Schauspiel, Junges Staatstheater und der neu gegründete Bereich Digitaltheater erschaffen in jeder Spielzeit auf den Bühnen für alle Bürger:innen und Kulturinteressierten in der Region ein vielfältiges und diverses Kulturangebot: Kunsterlebnisse, die in den Herzen und Köpfen des Publikums lebendig werden, die nachhallen, berühren und bewegen. Das Staatstheater ist eine staatlich geförderte Institution, die den Auftrag hat, Kunst und Kultur im Sinne der freiheitlich demokratischen Grundordnung für die Bevölkerung zu ermöglichen. Für alle Kulturinteressierten schafft es einen Raum für Austausch und Diskurs.
Über 900 Veranstaltungen pro Jahr finden in den vier Spielstätten (Großes Haus, Kleines Haus, Neues Entrée, Insel, Studio), unterwegs auf Gastspielen oder im Stadtraum an anderen besonderen Orten statt. Das Badische Staatstheater ist ein Publikumsmagnet in der Stadt für die Stadt. Als Leuchtturm strahlt es über Karlsruhe hinaus: regional, national und international. So werden im Durchschnitt jährlich über 275.000 Besucher:innen im Haus begrüßt.
Im Staatstheater arbeiten über 700 Mitarbeiter:innen und Gastkünstler:innen aus 48 Herkunftsländern. Als großer Arbeitgeber in der Region vereint das Mehrspartenhaus über 100 außergewöhnliche Berufe unter einem Dach und bietet ein kreatives und internationales Arbeitsumfeld im Herzen von Karlsruhe. Der Repertoirebetrieb ermöglicht ein planvolles, nachhaltiges Arbeiten und gibt gleichzeitig Raum für Innovation. Ein zentrales Anliegen ist es, sich in der Arbeit nachhaltig allen Altersgruppen, Schichten und vor allem interkulturell zu öffnen – in Bezug auf Programm, Publikum und Personal.
Im April 2024 haben sich über 40 Karlsruher Initiativen, Kirchen, Religionsgemeinschaften, Parteien, Verbände, Vereine und Institutionen zum Bündnis für Demokratie und Menschenrechte zusammengeschlossen. Das Badische Staatstheater ist ein Teil davon. Dieser breite zivilgesellschaftliche und überparteiliche Zusammenschluss betont das gemeinsame Eintreten für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. In der am 8. April 2024 veröffentlichten gemeinsamen Erklärung positionieren sich die Bündnispartner für ihre namensgebenden Werte. Das Bekenntnis zur Menschenwürde sowie zum Demokratie-, Rechtsstaats- und Sozialstaatsprinzip eint die vielfältigen Akteure aus der Karlsruher Stadtgesellschaft. „Das Badische Staatstheater ist Mitglied, weil Theater öffentliche Diskursräume zur Stärkung von Demokratie sind. Im Sinne unseres Leitbilds wollen wir unseren Beitrag dazu nun umso mehr leisten, die demokratischen Kräfte in unserer Gesellschaft zu stärken und besser sichtbar zu machen“, so die Theaterleitung des Badischen Staatstheaters.
Das Staatstheater versteht sich als Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Kunst und Politik und vernetzt sich mit anderen Kultureinrichtungen in Karlsruhe und Umgebung. Als Mitglied mehrerer europäischer Opern- und Theaterorganisationen ist das Staatstheater auch international vernetzt.
Neubau und Sanierung
1975 am Ettlinger Tor in Karlsruhe gebaut, war das Theatergebäude ursprünglich für 350 Beschäftigte ausgelegt. Jetzt arbeiten hier zu Hochzeiten über 700 Menschen. Seit über 40 Jahren ist das Haus ohne übergreifende Sanierung im Betrieb. 2006 beschloss der Verwaltungsrat erstmals eine Überprüfung der Bausubstanz. Einer Hausschließung, wie sie bei anderen Theatern notwendig war, kommt die Sanierung zuvor. Vor allem Mängel in Sachen Brandschutz und Barrierefreiheit müssen behoben werden. Ebenso gilt es, gesetzeskonforme Arbeitsplätze zu schaffen.
Spielzeit 2026/27
Für ihre dritte gemeinsame Spielzeit stellen die künstlerischen Köpfe des Badischen Staatstheaters ein Programm vor, das Linien und Leitgedanken fortführt und dabei auch die mittlerweile vielfältigen Erfahrungen und den regen Austausch mit dem Publikum einfließen lässt: „Wir sehen uns als eine wichtige Institution in der Stadtgesellschaft und deshalb ist es für uns essentiell, auch deren Bedürfnisse und Interessen mitzudenken,“ erläutert Intendant Christian Firmbach: „Karlsruhe liebt Traditionen, ist aber auch besonders begeisterungsfähig für Neues und Unbekanntes. Die tiefgehende Theatralisierung aktueller Themen erfährt ebenso großen Zuspruch wie Abende mit hohem Unterhaltungswert. Diese Bandbreite des Interesses ermutigt uns – ebenso wie viele Auszeichnungen und das überregionale Presseecho – den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, und entsprechend vielseitig ist auch die kommende Spielzeit wieder ausgerichtet.“
In der Oper reicht die Spanne von der Eröffnung mit einem Musicalklassiker bis zu einem Musiktheater ohne Worte im ZKM. Das Schauspiel vereint Klassiker mit Well-Made-Plays und einer Zaubershow und philosophiert über das Prinzip Hoffnung. Das Ballett tanzt für die ganze Familie, zeigt Choreografie-Klassiker und Neukreationen. Die Staatskapelle spielt großbesetzte Sinfonien, intime Kammermusik und lädt viele Gäst:innen ein. Das Junge Staatstheater spürt in maßgeschneiderten Produktionen den wichtigen Fragen junger Menschen nach, und das Digitaltheater erkundet die dunklen Seiten der Menschheit.
„Allerdings stellt uns das reduzierte Budget vor große Herausforderungen“, erklärt Firmbach. „Es macht sich nach außen vor allem in der Fülle des Angebots bemerkbar. Aber zum Glück gehört ja Kreativität zu unserem Kerngeschäft und wir versuchen, das Beste daraus zu machen.“
Oper
Die Musiktheater-Saison wird eröffnet mit dem Erfolgsmusical Sunset Boulevard, Andrew Lloyd Webbers Bühnenadaption des gleichnamigen Filmklassikers von Billy Wilder. Zu Gast in Karlsruhe sind mit Vassiliki Roussi als einstige Stummfilmdiva und Filippo Strocchi als – ihr auf fatale Weise verbundener – Drehbuchautor zwei Stars der internationalen Musicalszene. Die 1920 uraufgeführte Oper Die tote Stadt machte den 23-jährigen Erich Wolfgang Korngold über Nacht zum Star. Christoph von Bernuths Inszenierung legt die tiefenpsychologische Ebene der Geschichte offen, in der ein absurder (Alb)traum aus tiefer Trauer zum „Triumph des Lebens“ – so der ursprüngliche Titel der Oper – führt. Mit der Oper Arabella, einer feinsinnigen Wiener Gesellschaftsstudie aus der Feder des Erfolgsduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal, verabschiedet sich Georg Fritzsch als Generalmusikdirektor vom Badischen Staatstheater. Die Inszenierung liegt in prominenten Händen: Brigitte Fassbaender, die Georg Fritzsch seit langem verbunden ist, gibt damit ihr Karlsruher Regiedebüt. Miguel de Cervantes‘ vielfach adaptierter Roman Don Quijote gilt offiziell als eines der „bedeutendsten Bücher der Welt“. 1910 machte Jules Massenet den träumenden Ritter zum Titelhelden einer „heroischen Komödie“: Mit Kammersänger Konstantin Gorny in der Titelrolle, versetzt Regisseur Matthias Piro – enger Regiemitarbeiter von Tobias Kratzer – die ebenso humorvolle wie tiefgründige Geschichte in die Karlsruher Gegenwart. Zu einem „Kleinen Welttheater“ vereinte Puccini in seinem Trittico drei – auch musikalisch – höchst unterschiedliche Einakter: Das Verismo-Drama Il Tabarro (Der Mantel), die mystische Tragödie Suor Angelica (Schwester Angelica) und die schwarzhumorige Komödie Gianni Schicchi um einen doppelten Erbschaftsbetrug. Für Regisseur und Ausstatter Hinrich Horstkotte stehen diese drei Welten einander allerdings sogar recht nahe. Von einer großen Bühnenkarriere träumte die vermögende amerikanische Society-Lady Florence Foster Jenkins vergeblich. Als „Diva der falschen Töne“ erreichte sie jedoch bereits zu ihren Lebzeiten Kultstatus und avancierte im Broadway-Hit Souvenir von Stephen Temperley später immerhin zur Bühnenheldin. Den seinerseits zu Kult gewordenen Opernabend der besonderen Art präsentieren in Karlsruhe Sopranistin Christina Niessen und Horst Maria Merz als ihr Klavierbegleiter mit viel Spielfreude und Humor. In der Reihe „Zukunft Oper“ und in Koproduktion mit dem ZKM lotet Tragödia die Möglichkeiten eines Musiktheaters ohne Worte aus: Das dem 1997 uraufgeführten Werk zugrundeliegende Libretto wurde vertragsgemäß vernichtet. So erzählen allein die atmosphärischen Klangräume der bedeutenden zeitgenössischen, in Stuttgart lebenden Komponistin Adriana Hölszky eine spannungsvolle Geschichte, für die Digitaltheater-Chef Kevin Barz die spezifischen Möglichkeiten des ZKM ausschöpft.
Die 49. Internationalen Händel-Festspiele bieten gleich zwei Premieren von Opern, die noch nie in Karlsruhe zu erleben waren. Die Festspiele werden eröffnet mit Faramondo, inszeniert von Keith Warners langjähriger Co-Regisseurin Katharina Kastening. Darin sind mit Valer Sabadus, Eric Jurenas und Maximiliano Danta gleich drei gefeierte Countertenöre, sowie Johanna Falkinger zu erleben. Auch die zweite, in Koproduktion mit dem Bayreuth Baroque Opera Festival entstehende Oper Floridante, wartet mit internationalem Starcast auf, darunter Sopranist Bruno de Sá und Countertenor Max Cencic, der zudem Regie führt. Das genaue Festspielprogramm wird im Herbst 2026 vorgestellt.
Das Ensemble der Badischen Staatsoper entführt mit sinnlichem Zauber: Die Magie der menschlichen Gesangsstimmen, des Orchesterklanges, des miteinander Verschmelzens auf einer Bühne der Sinnlichkeit. Sehen und hören, unverfälscht und unmittelbar – die große Kunstform Oper in ihrer unverzichtbaren Heimstatt, dem Staatsheater. Der Badische Staatsopernchor blickt auf eine lange Tradition zurück. Der aus dem Chor des Hof- und späteren Landestheaters (ab 1918) hervorgegangene Staatsopernchor besteht heute aus 28 Damen und 26 Herren und wird von Chordirektor Ulrich Wagner geleitet. Die Geschichte des Chores ist von der Zusammenarbeit mit namhaften Dirigenten und Regisseuren geprägt, darunter die Hofkapellmeister und Generalmusikdirektoren Hermann Levi, Felix Mottl, Joseph Krips, Joseph Keilberth, Christof Prick, Anthony Bramall und Justin Brown sowie Regisseure wie Jean-Louis Martinoty, Gian-Carlo del Monaco, Juri Ljubimow, Peer Boysen, Alexander Schulin, David Hermann, Tobias Kratzer, Christopher Alden und Keith Warner. Der Chor wirkte bei zahlreichen Uraufführungen mit. Für seine Einspielung von Berlioz‘ Les Troyens hat der Badische Staatsopernchor den International Opera Award 2018 gewonnen.
Einmal im Jahr ist das Staatstheater Gastgeber der Internationalen Händel-Festspiele und bietet höchstes künstlerisches Niveau und internationalen Barockgenuss vom Feinsten. Die Festspiele in Karlsruhe warten mit exklusivem Programm und Starbesetzung auf. Neben beeindruckenden Operninszenierungen mit international anerkannten Künstler:innen versprechen die Händel-Festspiele unvergleichliche Konzerterlebnisse führender Barock-Spezialist:innen.
Ballett
Erstmals seit seinem Amtsantritt 2024 beim Staatsballett Karlsruhe setzt Ballettdirektor Raimondo Rebeck bei einer Neukreation und Uraufführung den Schwerpunkt auf Kinder und Familien: In ihrer ersten abendfüllenden Kreation Cinderella, der Eröffnungspremiere des Staatsballett in der Spielzeit 2026/27, erzählt die Hauschoreografin Kristina Paulin das weltberühmte Märchen von Aschenputtel als die Geschichte zweier Menschen, die nirgends zuhause sind – Cinderella im eigenen Haus, der Prinz im Palast. Ein opulent ausgestattetes Märchen für die ganze Familie, das, live begleitet von der Badischen Staatskapelle, Alltag und Zauber verbindet und die Magie der wahren Begegnung feiert. Mit Black Lights zeigt das Staatsballett einen Dreiteiler ganz im Zeichen der Vielseitigkeit von Bewegungssprachen, der insbesondere durch die musikalischen und ästhetischen Themen Jugendliche als das Publikum von heute ansprechen soll. Die Uraufführung Wings of Silk von Ballettdirektor Raimondo Rebeck verwandelt Klaviermusik von Philip Glass in eine Kontemplation über die Bedeutung purer Schönheit. Jonathan dos Santos widmet seine Kreation WILD 27 den jungen, wilden und hochbegabten Musiker:innen des „Club 27“ und ihrer Bedeutung für die Rock- und Popgeschichte. Und mit Cacti von Alexander Ekman ist die weltweit erfolgreiche humorvolle Persiflage auf das Selbstverständnis von Kunst und Kunstkritik erstmals in Karlsruhe zu erleben. Die Reihe zur Nachwuchsförderung Made in KA – Junge Choreografien aus Karlsruhe wird fortgesetzt. Mitglieder des Staatsballett erhalten eine Plattform für erste und neue Werke als Choreograf:innen. Ein innovatives Format, das Raum für Neues und Experimentelles schafft und nicht nur die Kreativität, Eigenständigkeit und das choreografische Potenzial junger Künstler:innen fördert, sondern auch den Austausch mit den wissenschaftlichen Institutionen Karlsruhes. In Verbindung mit den Gastspielen der Akademie des Tanzes Mannheim setzt sich das Staatsballett als treibende Kraft im Südwesten für die nächste Generation von Tanzschaffenden ein. Durch seine explizite Nachwuchsförderung stärkt das Staatsballett Karlsruhe den Tanzstandort Karlsruhe und Baden-Württemberg, mit einer Strahlkraft, die regional und überregional wirkt.
Im Begleitprogramm setzt das Staatsballett auf Kontinuität und Publikumsnähe: Der Ballett-Talk Tanz à la carte sowie die offenen Trainings und Workshops Einfach tanzen! im Ballettsaal werden ebenso weitergeführt wie als Abschluss der Spielzeit die Tanz-Fest-Woche mit einem Ballett-Gastspiel und der internationalen Ballettgala.
Das Staatsballett Karlsruhe, unter der künstlerischen Leitung von Raimondo Rebeck, vereint klassische Eleganz mit zeitgenössischer Kreativität. Mit einem Ensemble von 30 talentierten Tänzer:innen, das in ausgewählten Produktionen durch Studierende der Akademie des Tanzes Mannheim verstärkt wird, präsentiert die Compagnie eine beeindruckende Vielfalt an Tanzstilen. Das Staatsballett hat sich als ein wichtiger kultureller Bestandteil in Karlsruhe und der Region etabliert und verfolgt die Vision, Tanz und insbesondere Ballett als kraftvolle Erzählform und emotionalen Ausdruck zu fördern. Mit einem klaren Fokus auf exzellente Technik, kombiniert mit innovativen, modernen Kreationen, setzt es neue Impulse, während es gleichzeitig die Traditionen des klassischen Balletts bewahrt. Ballettdirektor Raimondo Rebeck und Hauschoreografin Kristina Paulin stärken das Ensemble und öffnen gleichzeitig neue Wege für den künstlerischen Dialog mit dem Publikum.
Konzert
Der Abschied von GMD Georg Fritzsch prägt die Spielzeit 2026/27 mit der Badischen Staatskapelle. Er wird das 1. Sinfoniekonzert (u. a. Richard Strauss‘ Vier letzte Lieder mit der international gefeierten Solistin Golda Schultz sowie Dvořáks Sinfonie „Aus der neuen Welt“), das 3. Sonderkonzert mit einem Beethoven-Fest zum 200. Todestag des Komponisten (mit Chören aus der Stadt und circa 350-450 Sänger:innen) und schließlich das 8. Sinfoniekonzert sowie das 5. Sonderkonzert dirigieren – Letzteres mit seinem Abschiedsstück, der 8. Sinfonie von Anton Bruckner. Darüber hinaus hat Georg Fritzsch einige seiner Vorgänger zur Badischen Staatskapelle eingeladen: So wird Christof Prick (GMD 1977 – 1986) im 2. Sinfoniekonzert u.a. Hector Berlioz‘ Symphonie fantastique dirigieren. Kazushi Ono (GMD 1996 – 2002) wird das 4. Sinfoniekonzert leiten, mit Gustav Mahlers 5. Sinfonie und Mozarts Violinkonzert KV 218 mit dem jungen Solisten Jacques Forstier. Justin Brown (GMD 2008 – 2020) übernimmt das 1. Sonderkonzert, in dem zum 150. Jahrestag der Uraufführung von Johannes Brahms‘ 1. Sinfonie in Karlsruhe das Originalprogramm von 1876 noch einmal erklingen wird. Kapellmeister Johannes Willig leitet das 5. Sinfoniekonzert, in dem neben Franz Liszts Sinfonischer Dichtung Prometheus auch das Klavierkonzert op. 1 von Hermann Levi (dem prägenden Hofkapellmeister in Karlsruhe 1864 – 1872) mit dem Solisten Oliver Triendl sowie die Gaelic Symphony der amerikanischen Komponistin Amy Beach erklingen werden. Yura Yang (Kapellmeisterin 2020 – 2024), dirigiert im 6. Sinfoniekonzert Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Henri Tomasi sowie Robert Schumann. Darüber hinaus begrüßt die Badische Staatskapelle die Dirigenten John Fiore zum 3. Sinfoniekonzert, sowie Jonathan Stockhammer zum 7. Sinfoniekonzert, das sich im Rahmen der Wochen der Nachhaltigkeit dem Thema „Antarktis“ widmen wird – u. a. mit der Sinfonia antartica von Ralph Vaughan Williams und der Uraufführung Antarctic Air: Melting Mirror des deutschen Komponisten Daniel Michael Kaiser. Zusätzlich wird es unter dem Titel A Night at the Oscars im 4. Sonderkonzert oscarprämierte Filmmusik zu hören geben – ein Wunschprojekt gleichermaßen vom Publikum wie vom Orchester. Außerdem kann die Badische Staatskapelle in den etablierten Reihen der Extrakonzerte, Kammerkonzerte, NachtKlänge, Kinderkonzerte und KlangÖffner eine thematische Bandbreite vom Barock bis in die Gegenwart präsentieren. Neben der Gaelic Symphony von Amy Beach werden in den Kammerkonzerten Werke von vier weiteren Komponistinnen erklingen. Mit den von Thomas Siffling erfolgreich kuratierten Jazz Nights wird die programmatische Vielfalt der Konzertsparte schließlich abgerundet.
1662 als Hofkapelle des badischen Fürstenhofes gegründet, kann die Badische Staatskapelle als eines der ältesten Orchester der Welt auf eine überaus reiche und gleichzeitig gegenwärtige Tradition zurückblicken, dank derer sie sich auch nach dem 350-jährigen Jubiläum 2012 als lebendiges und leistungsfähiges Ensemble präsentiert und sich mit großer Flexibilität der kompletten Spannweite zwischen Repertoirepflege und der Präsentation zukunftsweisender Zeitgenossen stellt. Zur Spielzeit 2020/21 hat Georg Fritzsch seine Tätigkeit als Generalmusikdirektor aufgenommen. 2021 ist die Staatskapelle dem Verein Orchester des Wandels e.V. beigetreten. Orchesterdirektor ist mit der Spielzeit 2024/25 Oliver Kersken.
Schauspiel
Mit einer besonderen Uraufführung eröffnet das Schauspiel die neue Spielzeit. Dass die Welt eine veränderbare ist, hat wohl kein Philosoph der Moderne dringlicher formuliert als Ernst Bloch. Nicht, ob wir unsere Zukunft verloren haben, sondern wie wir sie wiedergewinnen können, müsste die Leitfrage der kommenden Jahre sein. Um sie erfahrbar zu machen, verwandeln Regisseur Stephan Kimmig und der mehrfach Grammy-nominierte Postgenre-Komponist PC Nackt Ernst Blochs Opus Magnum Das Prinzip Hoffnung in ein Stück Musiktheater. Den dystopischen Gegenentwurf dazu, der radikaler (und heutiger) kaum sein kann, liefert Heiner Müller. Sein Macbeth (nach Shakespeare) erzählt vom unbedingten Willen zur Macht. Gewalt zieht Gewalt nach sich, Mord folgt auf Mord. Regie führt Simone Blattner. Dagegen übersetzt The boys are kissing utopisches Denken in ein komödiantisches Well-Made-Play. Dass zwei Schuljungen sich geküsst haben sollen, wird zum Ausgangspunkt von Verwicklungen höchst verschiedener Elternpaare. Zwei Drag-Engel kommentieren das Geschehen, Oberspielleiterin Brit Bartkowiak inszeniert. Von sich verschließenden Horizonten und Zusammenhängen, die sich auflösen, handelt Tschechows Drei Schwestern. Regie führt, zum ersten Mal in Karlsruhe, die mit dem FAUST-Preis ausgezeichnete Regisseurin Jana Vetten. Deutsches Krankes Haus überführt das Verhältnis von Zukunft und Endlichkeit in Praxis. Auf Basis eigener Recherchen erzählt der Autor, Regisseur und Arzt Tuğsal Moğul von der Ökonomisierung des Gesundheitssystems und den Hindernissen, die ausländischen, hierzulande dringend benötigten Ärzt:innen in den Weg gelegt werden. Und im Kleinen Haus endet die Spielzeit mit einem Schauspieler:innenfest: Mira Stadler inszeniert Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf...? (Who’s Afraid of Virginia Woolf?).
In der Insel gibt Antonina Brühl ihr Karlsruher Regiedebüt mit einer Adaption von Stanislaw Lems Sci-Fi-Klassiker Solaris, eines Romans, der die Grenzen eines (unseres) auf Aneignung beruhenden Verhältnisses zur Welt befragt. Verehrtes Publikum heißt die Zaubershow von Redjep Hajder im Neuen Entrée, mit der er auf den Spuren von Thomas Manns Mario und der Zauberer untersucht, wie wir uns auch politisch in den Bann ziehen lassen. Und die mobile Produktion Im Bruch mit der Welt geht von der Beobachtung aus, dass Karlsruhe und Baden in den 70er- und 80er-Jahren für Links- und Rechtsextremisten ein Brennpunkt war. Woher rührten diese Radikalisierungen, wie verknüpften sie sich, und was davon schreibt sich wie ins Heute fort? Gute, außergewöhnliche und bewegende Kunst: In dieser Spielzeit bringt das Ensemble der Schauspieler:innen ein vielfältiges Programm zu gesellschaftlich relevanten Themen auf die Bühne.
Junges Staatstheater
Gemeinsamkeit zu schaffen und dabei Mut zur Individualität zu stärken prägt die Perspektive im Jungen Staatstheater – und aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen: So erzählt die Uraufführung familienalbum.karlsruhe (12+) von Lisa Sommerfeldt vom jüdischen Karlsruher Komponisten und Architekten Richard Fuchs, und verbindet Familien- mit Stadtgeschichte zu einem recherchebasierten Schauspiel mit Musik von Paul Brody. Ein Stück gegen das Vergessen für Schüler:innen und Familien, das in Kooperation mit dem Digitaltheater entsteht. Zu einer Zeitreise lädt auch das Solo König Kristina (14+) ein: das Porträt einer Herrscherin aus dem 17. Jahrhundert wirft zahlreiche Fragen nach Macht, Verantwortung und Selbstbestimmung auf, die immer aktuell bleiben. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Jungen Staatstheaters ist das Familienstück zur Winterzeit auf der Bühne im Großen Haus zu sehen: In Der Zauberer von Oz (6+) folgt das Publikum Dorothy und ihren Gefährt:innen auf der Suche nach Verstand, Herz und Mut und stellt Freundschaft, Selbstvertrauen und den Blick hinter Illusionen in den Mittelpunkt. Ins Klassenzimmer geht es anschließend mit Ganzkörperparty – das neue Stück von Fayer Koch für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren setzt sich interaktiv mit trans*-Sein und Körperwahrnehmung auseinander, wobei die Klasse selbst zum Resonanzraum wird. Wutmonster ist eine Uraufführung für Kinder ab 4 Jahren über Wut und starke Emotionen, das in einem weitgehend sprachfreien, körperbetonten Spiel sinnlich erfahrbar wird. Es schafft einen Raum, in dem Gefühle verstanden und zugelassen werden können. Die visuell starke Adaption von Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer (10+) verbindet Abenteuerlust, Tiefsee und Entdeckergeist mit Fragen zu Umweltschutz, Klimawandel und dem Umgang mit dem Fremden. Mit der Befragung von Brechts Stück Mann ist Mann (13+) werden Anpassung, Rollenbilder und gesellschaftlicher Druck sichtbar. Die künstlerische Audiodeskription erweitert das Projekt als ästhetische und barrierefreie Forschung. Im Freiraum entsteht mit Das verräterische Herz (12+) ein dichter Monolog nach E. A. Poe zwischen True Crime und Horror, der die Atmosphäre im Keller der Spielstätte Insel intensiv nutzt.
Theater für alle: Das Junge Staatstheater Karlsruhe feiert 2026/27 sein 15-jähriges Bestehen und bietet ein vielseitiges Programm für Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen an. Das professionelle Ensemble spielt Theater für die Allerkleinsten, Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur und Familienstücke ebenso wie Stücke zu gesellschaftlich relevanten Themen für alle Menschen. Neben den Vorstellungen in der Insel, der Spielstätte des Jungen Staatstheaters, wird das Familienstück zur Winterzeit Der Zauberer von Oz in der Spielzeit 2026/27 im Großen Haus zu erleben sein. Mit den mobilen Produktionen Runkelpunzel & Hänselkrötel verlaufen sich im Universum, Sonnenstrahl im Kopfsalat und Raumrauschen kommt das Ensemble auch zu Ihnen in die Kita und Schule oder in andere Einrichtungen in Karlsruhe und Umgebung.
Das Team des Jungen Staatstheaters freut sich auf die Begegnung und den Austausch mit den Menschen vor Ort in all ihrer Vielfalt. Die Insel soll ein Ort zum Gespräch über Erwartungen und Wünsche, Bedürfnisse und Perspektiven werden, sodass dem Anspruch „Theater für alle“ zu machen, jedes Jahr ein bisschen mehr entsprochen wird.
Schon jetzt legt die Sparte großen Wert auf Verbindungen mit der Stadtgesellschaft. So entstehen zum Beispiel die Stücke #constantcraving und Der Katze ist es ganz egal in Kooperationen mit Institutionen vor Ort, wie etwa dem Präventionsbüro Sucht der Stadt Karlsruhe, der Suchtberatungsstelle AGJ Ettlingen und dem queeren Jugendzentrum LaVie. Sie zeigt Stücke, die nah an den Themen und Bedürfnissen der Zielgruppe orientiert sind. Zu allen Produktionen werden theaterpädagogische Workshops, Nachgespräche oder Materialmappen angeboten.
Digitaltheater
Das Digitaltheater begibt sich in seiner Uraufführung Karneval der Tiere - Eine XR-Experience über das Verschwinden in Kooperation mit dem Naturkundemuseum exklusiv vor Ort in eine geheime Ausstellung – nach Museumsschluss, und geführt von Schauspieler Gunnar Schmidt als einem besonderen Nachtwächter. Für einen Abend werden mithilfe einer Extended-Reality-Brille durch den Menschen ausgerottete Arten wieder lebendig, begleitet von der berühmten, hierfür neu bearbeiteten Musik von Camille Saint-Saëns. Mit der noch viel dunkleren Natur des Menschen beschäftigt sich Saal 600, eine dokumentarische Sprechoper über die Nürnberger Prozesse. Sie stellen einen Meilenstein in der Rechtsgeschichte dar, denn zum ersten Mal wurden Kriegsverbrecher juristisch zur Verantwortung gezogen. Der viersprachige Prozess wird aus der Sicht der Simultandolmetscher:innen erzählt, durch deren Münder die Welt erstmals das ganze Ausmaß der NS-Verbrechen erfuhr. Die Musik dieser Sprechoper wurde von Paul Brody aus den originalen Tonaufnahmen des Prozesses herausgearbeitet und entlarvt die unerträgliche Sachlichkeit der Angeklagten-Berichte. Traumhaft-betörend wird es in der Uraufführung Metamorphosen nach Ovid: Der Soloabend mit Anne Müller ist eine Ode an die Verwandlung und nimmt das Publikum bei laufendem Vorstellungsbetrieb mit auf eine Backstage-Reise durch das Theater – immer auf der Suche nach unüblichen Orten und dem Moment, in dem sich Gegenwart und Realität in etwas Schöneres verwandeln. Zwei erfolgreiche Formate gehen außerdem aufgrund der großen Nachfrage in ihre dritte Spielzeit: Bei Let’s Play wird wieder im Neuen Entrée gezockt, und die Partyreihe DANCE! wird erneut die Bühne zum Dancefloor verwandeln und mit Live-Visuals in unvergleichliche Atmosphäre tauchen – einmal sogar auf der ganz großen Bühne.
Kunst + Vermittlung
Eng verzahnt mit der Arbeit v. a. des Jungen Staatstheaters ist die Abteilung Kunst + Vermittlung am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Sie entwickelt kreative und partizipative Formate an der Schnittstelle von Kunst, Bildung und Gesellschaft. Ziel ist es, das Theater als offenen Ort kultureller Teilhabe und gesellschaftlichen Dialogs weiterzuentwickeln. Mit Formaten wie der Sneak für junges Publikum, bei dem Kinder und Jugendliche kostenlos die Endproben ausgewählter Produktionen besuchen dürfen, dem wiederkehrenden Vorleseformat Lese-Insel zur Vernetzung von Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie einem neuen Kooperationssystem für KiTas schafft sie vielfältige und frühe Zugänge zum Theater. Beim regelmäßig stattfindenden Ausbildungstag erhalten Schüler:innen Einblicke in Berufe hinter den Kulissen des Staatstheaters. Und wer selbst einmal auf der Bühne stehen möchte, kann sich in den Theater-Laboren oder den Ferien-Inseln ausprobieren. Mit diesen Initiativen setzt die Abteilung Kunst + Vermittlung starke Impulse für eine nachhaltige Öffnung des Hauses und einen lebendigen, inklusiven Theaterraum für alle.
Diversität braucht eine Bühne!
Das Staatstheater wurde bis 2023 von der Kulturstiftung des Bundes als eine von 39 Kulturinstitutionen deutschlandweit für das Programm „360°– Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“ ausgewählt und gefördert. Diese Förderung ist eine Auszeichnung und zeigt, dass ein zukunftsweisender Weg eingeschlagen wurde, um sich der gelebten Vielfalt der Stadtgesellschaft weiter zu öffnen und Diversität auf den Bühnen zu beheimaten. Dank der Förderung ist das Staatstheater mit den nötigen personellen und finanziellen Ressourcen ausgestattet worden, um gemeinsam mit dem Publikum und allen interessierten Karlsruher Bürger:innen diesen Weg weiter zu ebnen und zu gestalten.