SWR Kultur am Abend, Marie-Dominique Wetzel, 6.7.2026
Die Bar Electric Eel ist bis auf den letzten Platz besetzt. Auffallend viele Frauen mittleren Alters sind da, die meisten sind zusammen mit Freundinnen gekommen und haben Drinks vor sich stehen.
[...]
In dem Stück steckt viel persönliche Erfahrung, aber nicht nur von Ute Baggeröhr. [...] [Das Team hat] betroffene Frauen gebeten, sich bei ihnen zu melden und sich mit ihnen über ihre Erfahrungen auszutauschen.
[...]
[Ute Baggeröhr] ist froh, das Stück nicht in einem Theaterraum, sondern in einer Bar zeigen zu können, mittendrin im Leben, und dort vielleicht auch noch mal andere Frauen erreichen zu können. An diesem Abend hat das gut funktioniert. Die Frauen um mich herum haben gelacht, sich immer wieder vielsagende, verständnisvolle Blicke zugeworfen und auch mal ein paar Tränen verdrückt. Ute Baggeröhr hat vielen aus der Seele gesprochen und ihnen eine Stimme gegeben. Dafür gab es am Schluss langen und herzlichen Applaus.
Theater heute (6/26), Björn Hayer, 26.6.2026
Dass das Badische Staatstheater zu diesem Thema ein eigenes Solo-Stück auf den Spielplan gesetzt hat, ist aller Ehre wert, findet doch diese Phase im Leben einer Frau bislang in den wenigsten Dramen Raum.
[...]
Es sollte «ein Abend gegen mein eigenes Vergessen werden», so die Erzählerin. «Immer noch da», lautet daher der Titel der Premiere, die mit (…) vitalem Spiel aufwartet.
[...]
[Da] ergreift Baggeröhr an einer Stelle selbst die Initiative und dirigiert das Publikum zum Nachstellen der letzten Menstruationszyklen einer Frau. [...] Diese stärkste Szene zeugt vom Mut zum Humor in dieser Aufführung, die zugleich die Schattenseiten nicht verschweigt, sondern deutlich betont. Ein poetischer Monolog listet die Tabus auf: Inkontinenz – «nicht witzig», sexuelle Übergriffe – «nicht witzig» etc. Zwischen nachdenklichem Erfahrungsbericht, ironischer Selbstbefragung und Gesellschaftskritik wartet die Inszenierung mit einer überzeugenden Stimmungsvariation auf.
[...]
«Wir müssen uns die Wechseljahre […] zurückerobern», fordert die Protagonistin. Im Publikum mehrheitliches Nicken. Das Staatstheater hat offensichtlich einen Nerv getroffen.
Termine
Das Electric Eel ist für Rollstuhlfahrende nicht zugänglich. Keine Abendkasse – Tickets können im Vorverkauf oder bis Vorstellungsbeginn auf dem Handy als ticket-direct gekauft werden.
Einlass ab 19 Uhr. Früh kommen lohnt sich: Sie haben freie Platzwahl in der Bar und können bis Vorstellungsbeginn Getränke beim Barpersonal bestellen. Während der Vorstellung findet kein Ausschank statt.
Dienstag, 24.11., 20:00 - 21:20
Electric Eel, Werderstr. 35
Ausverkauft
Möchten Sie sich auf die Warteliste setzen lassen?
19,00 Euro / erm. 9,50 Euro