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Debritz

Theater heute (7/26), Stephan Reuter, 22.7.2026

Maik ist, so wie ihn Jannik Süselbeck in Karlsruhe sympathisch auf die Bühne bummelt, der Typ Flipflop. Peggy hingegen ganz Typ Gummistiefel. […] Auch der Bürgermeister, von André Wagner mit dem seifigen Lächeln eines verhinderten Kurdirektors aufgeschäumt, hat populärere Sorgen: Er muss das örtliche Streetballturnier vor dem Ruin retten, das letzte Alleinstellungsmerkmal, aus dem die Debritzer so etwas wie Selbstwertgefühl beziehen.
In Wahrheit zieren längst Salzränder die von Ausstatterin Hella Prokoph pittoresk über die Bühne des Neuen Entrées verteilten Kartonfelsen. Der Umweltfrevel ist unübersehbar, und es gibt allen Grund, sich aufgrund von Peggys Seelenverwandtschaft mit Ibsens ‚Volksfeind‘ Sorgen um ihre Zukunft zu machen.
[…]
Wie [Kaleb Erdmann] Märchen-Elemente aus der Kyffhäuser-Sage gekapert hat, beweist kreative Unerschrockenheit im Umgang mit literarischen Vorlagen. Das Team um Regisseurin Brit Bartkowiak wählt einen angenehm handgemachten Zugriff auf die vogelwilde Story und findet so den direkten Weg zu guten dramaturgischen Entscheidungen.


Deutschlandfunk, Christian Gampert, 26.6.2026

Kaleb Erdmanns Stück ist einerseits fast kabarettistisch konstruiert – und so nimmt die Regisseurin Brit Bartkowiak das auch. Überschaubare Charaktere, knallige Pointen. Aber unter der Lustigkeit gibt es eine depressive Schicht.
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Orientierung für die Debritzer verspricht in all der Düsternis der Salzgeist, der im Kyffhäuser schlummernde Kaiser Barbarossa, eine Symbolfigur rechter Kreise. [...] Dieser Barbarossa wird nun von Antonia Mohr mit Rotbart und Langhaarperücke als freundliche Karikatur gespielt. Ein gesprächiges Märchen-Männchen. Die Schauspielerin sucht stets Kontakt zum Publikum, verteilt Vita-Cola und macht den Bottle-Flip. Als rechte Heldenfigur ist dieser Barbarossa eher ungeeignet.
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Die zwischen Heimatgefühlen und trotziger Aufbruchstimmung schwankende Bäuerin Peggy wird gegeben von der sehr talentierten Rebecca Seidel. Wie die Torschlusspanik und Verzweiflung an der Provinz spielt, das ist sehr energisch und vorsichtig zugleich.
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Die Aufführung ist sehr lustig – es gibt eine hübsche Bürgermeister-Parodie – und sehr böse zugleich. […] In einer Art Kneipenambiente – das Publikum sitzt an Tischen – kämpft man mit dem Putzfeudel gegen böse Barbarossa-Geister. Die sind mit Theater nicht zu vertreiben. Aber Kaleb Erdmann zeigt, wie viel Kreativität und Widerstand in den angeblich abgehängten Peggys des Ostens stecken könnte.


Die vollständige Rezension hören Sie hier.


nachtkritik.de, Ann-Sofie Reiners, 25.6.2026

[Die] Figuren sind präzise ausgearbeitet und zugleich zugespitzt auf moderne Perspektiven in politischen Zeiten. Dabei werden sie so leichtfüßig erzählt, dass sich "Debritz" beinahe wie ein Cartoon der 2000er Jahre konsumieren lässt, ohne dabei die Relevanz seiner zahlreichen Themen in Oberflächlichkeit aufzulösen. 
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Erdmann pumpt Leichtigkeit in den Ostdeutschland-Diskurs. Er bricht erdrückende Ernsthaftigkeit immer wieder mit memeartigem Humor, was Zugänge auch für ein junges Publikum schafft. In der Inszenierung lässt Brit Bartkowiak die Zuschauer immer wieder Teil von Debritz werden, sei es durch das Spiel zwischen den Plätzen, dem bewussten Brechen der vierten Wand, oder das gemeinsame Anstimmen der Debritzer Hymne beim feierlichen Streetball-Turnier. Dieses große Finale mit seinem ungebrochenen Lokalpatriotismus trotz allen Scheiterns der Debritzer sorgt für breites Gelächter im Publikum.


Die vollständige Rezension lesen Sie hier.


Die Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 11.7.2026

[D]ie handfeste Bäuerin Peggy [wird] von Rebecca Seidel in beeindruckender Vielschichtigkeit gestaltet. Zwischen koketter Skepsis und furioser Empörung, melancholischer Bedrückung und resoluter Courage, romantischer Schwärmerei und verzagter Bitterkeit entwirft sie ein sorgsam austariertes Tableau von großer dramatischer Kraft und Spannung. Ihr zur Seite spielt Jannik Süselbeck den unbedarften Maik, der sich zögernd und in treuherziger Heimatliebe von ihr mitziehen lässt (...).


taz, Björn Hayer, 26.6.2026

Wo Buntes und Schräges gefordert ist, liefert die Regie von Brit Bartkowiak. Insbesondere der im Erdreich schlummernde Barbarossa mit Zottelbart (Antonia Mohr), den die oberirdischen Bewohner als hoffentlich bald erwachenden Kyffhäuser-Messias preisen, sorgt für Witz.
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Alles also ziemlich auf- und abgedreht. So darf man es durchaus von einer Groteske erwarten. Dass die Premiere auf einem soliden Niveau gelingt, verdankt sich der experimentierfreudigen Regie von Brit Bartkowiak. Sie zieht sämtliche Register der Comic- und Pop-Ästhetik, die zudem durch die Spielfreude des Ensembles glänzen darf.
[…]
Seine Wichtigkeit ist [dem Abend] jedoch unbenommen. Auch weil die Diskussionen auf deutschen Bühnen über das Stadt-Land-Gefälle sowie die Folgen des Klimawandels in jüngster Zeit ins Hintertreffen gerieten.


Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier.


SWR Kultur, Marie-Dominique Wetzel, 24.6.2026

Regisseurin Brit Bartkowiak bringt die Mischung aus Sozialdrama und Komödie am Badischen Staatstheater Karlsruhe mit viel Tempo und Spielfreude auf die Bühne.


Den vollständigen Beitrag hören Sie hier.


BNN, Sibylle Orgeldinger, 26.6.2026

Ost und West. Ein Dorf, das unter Trockenheit, Bevölkerungsschwund und wirtschaftlichem Niedergang leidet, und eine der sonnigsten Städte Deutschlands, die seit Tagen unter einer Juni-Hitzewelle ächzt. Märchen und Wirklichkeit. Wut und Witz. Das alles trifft am Premierenabend zusammen.
[...]
Mit Mut zur Komik hat Brit Bartkowiak, Oberspielleiterin am Badischen Staatstheater, das Geschehen in und um „Debritz“ inszeniert, ohne die Relevanz der angesprochenen Probleme preiszugeben.
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Erdmann […] schildert das Landleben im Osten weder verklärend noch verurteilend, sondern scharf beobachtend. Sein fiktives Städtchen belebt er mit Figuren, die ohne Scheu vor Klischees gezeichnet sind.


Termine

Wiederaufnahme
 Mittwoch, 28.10., 19:30 - 21:00

Neues Entrée

Tickets

19,00 Euro / erm. 9,50 Euro

 Dienstag, 17.11., 19:30 - 21:00

Neues Entrée

Tickets

19,00 Euro / erm. 9,50 Euro

 Donnerstag, 26.11., 20:00 - 21:30

Neues Entrée

Tickets

19,00 Euro / erm. 9,50 Euro

Besetzung