Die Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 9.6.2026
Die Karlsruher Inszenierung und ihre unmenschliche „Lösung“ geben zu denken. Darin liegt über die szenische Umsetzung hinaus ihr Gewinn. Das Trio der durchweg in Weiß und genderneutral gekleideten Mitwirkenden (Kostüme Gloria Müller) bringt die unterschwellige Stimmung von Bedrückung, Kälte und Angst wie das Aufflackern von Hoffnung und Zärtlichkeit in Spannung zum Ausdruck. Dem Ensemble ist eine dichte, sorgfältig modulierte Vorstellung der komplexen Vorlage gelungen.
Fabian Kulp als Winston überzeugt als leidende Kreatur und mutiges Opfer eines unmenschlichen Systems, Jeanne-Marie Bertram hält die Julia zwischen emotionaler Aufwallung, skeptischen Tönen und verzagter Unsicherheit in spannungsreicher Schwebe, und Ute Baggeröhr steuert als zwielichtiger O’Brien eine abgründige Studie von Bosheit, Lüge und Infamie bei. […] Die […] Aufführung weiß ihr (vor allem junges) Publikum nachhaltig zu fesseln.
Badische Neueste Nachrichten, Andreas Jüttner, 6.6.2026
Warum also hierfür ins Theater gehen? In diesem Fall: wegen der Darsteller und der starken Bilder. Regisseur Barz ist Leiter der Sparte Digitaltheater am Badischen Staatstheater, und er beweist erneut ein gutes Gespür für das Spiel mit Bühnentechnik.
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Besonders eindrucksvoll ist die Aufspaltung von innerer und äußerer Stimme bei Winston und Julia, die das „Denkverbrechen“ der Liebe begehen. Denn ihre leise geraunten inneren Stimmen wurden vorab aufgenommen und werden nun abgespielt, während sie synchron dazu den Mund bewegen. […] Dieser Vorgang, der höchste darstellerische Präzision verlangt und von Barz auch schon in seinem YouTube-Recherchestück „Broadcast Yourself!“ eingesetzt wurde, macht sinnlich erfahrbar, wie sehr das Überwachungssystem jegliches aufrichtige Sprechen zerstört hat.