Orpheus Magazin, Florian Maier, 5.10.2024
Smyth war eine Instrumentierkünstlerin, und die lautmalerisch auftrumpfende Badische Staatskapelle unter GMD Georg Fritzsch bleibt dem weder in der Geschichte selbst noch im sinfonischen Zwischenspiel „On the Cliffs of Cornwall“ einen Beweis schuldig. Entfesselte Natur, sich aufbäumende Seele – so manche Oper wirkt heute wie ein staubiges Relikt aus längst vergangenen Tagen, diese aber definitiv nicht.
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Suggestives, konzentriertes, aber nie aufgesetztes Theater ist das.
Die deutsche Bühne, Andreas Falentin, 30.9.2024
Diese Musik ist tatsächlich aufregend – und ungehört. „The Wreckers“ von Ethel Smyth wurde schon 1906 uraufgeführt, das Badische Staatstheater Karlsruhe präsentiert die Uraufführung der englischen Version der Oper. Und das lohnt sich sehr, weil Georg Fritzsch und die Badische Staatskapelle mit Spannung musizieren und ohne jeden falschen Überdruck ihre raffinierte Klangfarben-Dramaturgie entblättern. So frappieren die kleinteilig komponierten Chorpassagen mit ihren vielen Klangschichten, auch sie faszinierend aufgeführt vom Staatsopernchor.
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„The Wreckers“ ist ein großes Erlebnis, die Musik ist durchaus einzigartig. Und das Stück bietet tatsächlich einen weiblichen Blick auf die männliche Romantik. Das macht die herausragend musizierte Karlsruher Aufführung sehr deutlich.
Online Musik Magazin, Christoph Wurzel, 7.10.2024
Ein starkes, komplexes, interessantes Musikdrama, eine packende Inszenierung, hoch expressive Musik, die großartig gespielt und gesungen wurde. Alles in allem ein erfolgreicher, furioser Auftakt der neuen Intendanz.
Badische Neueste Nachrichten, Isabel Steppeler, 1.10.2024
Mit faszinierenden Klangfarben spätromantischer Musik und einer tiefen Emotionalität begeisterte die Oper das Premieren-Publikum. (…) Der Jubel ist nicht zuletzt der kreativen Inszenierung von Regisseur Keith Warner zu verdanken. Der Brite beweist einmal mehr, dass seine Handschrift auch jenseits von Wagner-Opern wunderbar funktioniert.
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Mit großer Lust am Schauspiel verkörpert der Chor die aggressive Dorfgemeinde, die sich unter dem Deckmantel göttlicher Bestimmung gegenseitig aufstachelt und geradezu lechzt nach lustvoller Gewalt.
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Die Solistinnen und Solisten lassen Ethel Smyths Drama in einer sehr dynamischen Personenführung beeindruckend lebendig werden. Dorothea Spilger verleiht Thirza eine dramatische Kraft, die jede Emotion ihrer Figur spürbar werden lässt. Brett Sprague, der neue Tenor in der Rolle des Mark, beeindruckt mit einem warmen lyrischen Timbre und fein ausgearbeiteten Höhen. Ralitsa Ralinova als Avis ist sängerisch und darstellerisch eine Wucht, ihre Bühnenpräsenz ist stark.
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Subtil arbeitet Georg Fritzsch die vielen Klangschichten der eindringlichen Orchestrierung präzise heraus, besticht durch atmosphärische Tiefe und beschwört die bedrohliche Küste Cornwalls herauf.
Man spürt, dass Keith Warner lange schon Lust hatte, diese vernachlässigte Oper zu inszenieren. Ihr eine Bühne zu bieten, war die richtige Entscheidung des neuen Intendanten Christian Firmbach und seines Operndirektors Christoph von Bernuth. Ein gelungener Auftakt.
Badische Neueste Nachrichten, Nikolaus Schmidt (zu B-Premiere), 5.10.2024
Die künftig für Sopran- wie Mezzopartien zuständige Ann-Beth Solvang singt die Thirza mit melancholisch überschattetem Sopran, (…) viel Gefühl und Ausdruck. Mit Brett Sprague, der als Mark mit lyrisch durchgebildetem Tenor und fein angebundenen Höhen gefällt, entzündet sie im mittelaktlangen Zwiegesang vokale Leuchtfeuer, die zum Symbol ihrer brodelnden Liebe werden.
Die Rheinpfalz, Kai Scharffenberger, 1.10.2024
Dass man ihren Namen im klassischen Komponistenlexikon vergeblich sucht, ist eine Schande: Die Britin Ethel Smyth (1858-1944) verstand sich als Tonsetzerin auf das ganz große Kino.
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Überhaupt, die Musik! Was da in Karlsruhe unter der Leitung von Georg Fritzsch als deutsche Erstaufführung ertönt, lässt mehr als einmal mit den Ohren schlackern. Meeresrauschen à la Mendelssohn und Elgar wechselt mit filmmusikreifem Pathos, unterbrochen von seltenen kammermusikalischen Momenten, in denen Harfe, Englischhorn und Solostreicher den spezifisch pastoralen Tonfall der britischen Komponistenzunft beschwören.
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Vor allem die Partie des jungen Fischers Mark ist stark von „Folksong“ und Ballade geprägt, was US-Tenor Brett Sprague zu ausgesprochen lyrischen Gesängen inspiriert. Gleichzeitig kann sich dieser Neuzugang im Karlsruher Opernensemble in den Duetten mit der Mezzosopranistin Dorothea Spilger als Thirza stimmlich so steigern, dass man unmittelbar an den rauschhaften zweiten „Tristan“-Akt denken muss. Und Thirza ist kompositorisch die markanteste Erfindung in dieser Oper der engagierten Frauenrechtlerin Smyth: eine ebenso introvertierte wie unabhängige Gestalt, die Spilger mit schönen Tiefen und leidenschaftlicher Inbrunst singt.
SWR Kultur, Almut Ochsmann, 1.10.2024
In der Rolle der Thirza fesselt Mezzosopranistin Dorothea Spilger das Publikum. Sie schafft es, die innere Zerrissenheit zu zeigen, sie vermittelt glaubhaft Wut und Mut und stirbt am Ende für die Liebe.
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Keith Warner setzt ganz bewusst funkelnde Akzente.
Pforzheimer Zeitung, Gerhard Tetzlaff, 1.10.2024
Tilo Steffens Bühnenraum für die Deutsche Erstaufführung der englischen Originalfassung von Ethel Smyths Oper „The Wreckers“ („Die Strandräuber“) am Badischen Staatstheater ist in seiner Abgeschlossenheit der ideale Ort für Keith Warners suggestive Inszenierung, die einen umjubelten Auftakt der Intendanz von Christian Firmbach in Karlsruhe ermöglicht.
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Warners Inszenierung gelingt es, die Rohheit der Fischergemeinde, die optisch an Mad-Max-Filme (Kostüme Julia Müller und Verena Polkowski) erinnert, die nicht nur aus Hunger zu Strandräubern werden, sondern offensichtlich Gefallen am brutalen Morden finden, in Verbindung zu ihrer religiösen Bigotterie und unterdrückter Sexualität zu setzen.
Pamina Magazin, Christine Gehringer, 30.9.2024
Generell hat die Musik von Ethel Smyth aber eine dramatische Wucht. Die Klangsphäre ist spätromantisch, wagnerisch; zwischendurch hört man Choräle, volksliedhafte Weisen, weite Melodiebögen. Scharfe Rhythmen treiben das Drama vorwärts; aufreizende Streicher und feinste Bläsermotive flirren hindurch, dann wiederum kommen aus dem Orchestergraben düstere Klänge und chromatische Abstiege, dass es einen nur so schaudert. Man hört regelrecht das aufgepeitschte, tobende Meer, die sprühende Gischt. Ethel Smyth muss die Natur gründlich studiert haben, und sie überträgt diese Atmosphäre meisterhaft - doch dass ihre Musik überhaupt eine solche Wirkung entfalten kann, ist an diesem Abend GMD Georg Fritzsch und der fabelhaften Staatskapelle zu verdanken: Konturscharf und „dramatisch“ im wörtlichen Sinne wird hier musiziert.
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Ralitsa Ralinova dagegen lockt als durchtriebene Gegenspielerin Avis mit beweglicher, glockiger Stimme. Beklemmend düster wirkt daneben Konstantin Gorny als Prediger Pascoe.
Termine
18:00 Einführung
Sonntag, 18.10., 18:30 - 21:10
Großes Haus
ML Wagner; Thirza: Solvang, Mark: Sprague, Avis: Ralinova, Jack: Lang, Pascoe: Gorny, Tallan: Schneider, Lawrence: Yılmaz, Harvey: Zhao
66,00 - 19,00 Euro
18:30 Einführung
Samstag, 24.10., 19:00 - 21:40
Großes Haus
ML Wagner; Thirza: Solvang, Mark: Sprague, Avis: Ralinova, Jack: Lang, Pascoe: Gorny, Tallan: Schneider, Lawrence: Kolarczyk, Harvey: Zhao
66,00 - 19,00 Euro
19:00 Einführung
Freitag, 13.11., 19:30 - 22:10
Großes Haus
ML Wagner; Thirza: Solvang, Mark: Sprague, Avis: Ralinova, Jack: Lang, Pascoe: Ks. Gorny, Tallan: Ks. Schneider, Lawrence: Yilmaz, Harvey: Zhao
66,00 - 19,00 Euro