Interview mit Johannes Wenzel, Regisseur des Theaterstücks “Die Hitze und das Recht” im Rahmen des Weltwassertags

„Für effektiven Klima- und Umweltschutz müssen wir engagiert bleiben und Druck auf die Entscheider machen“
Am Weltwassertag trifft Wasser auf Kultur: Gemeinsam mit dem Badischen Staatstheater und den Stadtwerken Karlsruhe veranstaltet a tip: tap ein mehrteiliges Programm. Im Mittelpunkt stehen das Theaterstück Die Hitze und das Recht des Regie-Autoren-Duos Futur II Konjunktiv und die Podiumsdiskussion Und wer kümmert sich um unser Wasser?.
Das Stück dreht sich um die Geschichte der Klimaklagen, mit denen die Zivilgesellschaft die Staaten und Unternehmen zum Handeln gegen die Klimakrise zwingen will. Thomas Frank, Wasserkurator und Projektleiter des Wasser-Quartiers Karlsruhe, traf Regisseur Johannes Wenzel zu einem Glas Leitungswasser an den Saumseen in Karlsruhe-Daxlanden und sprach mit ihm über Klimaklagen als Instrument für den Klimaschutz, das Paradox von träger Klimaschutzpolitik in einer immer schneller werdenden Welt und die gesellschaftliche Verantwortung für unser Wasser.
Was hat dich daran gereizt, den juristisch-politischen Diskurs des Klimarechts in einen Theaterstoff zu verwandeln?
Johannes Wenzel: Eine Grundfrage, die uns fast immer umtreibt, ist, warum wir, individuell und als Gesellschaft, zu vielen drängenden Themen so viel wissen und doch so schwierig ins Handeln kommen. Und wie man vielleicht auf dem Theater darüber nachdenken kann, sich mit Gründen, Möglichkeiten und Hindernissen auseinanderzusetzen, aber auch Bereiche zu zeigen, wo etwas versucht wird. Das führte uns fast zwangsläufig zu den Klimaklagen.
Die Hitze und das Recht beruht nicht auf einer fiktionalen Textvorlage, sondern auf tatsächlichen historischen und aktuellen Begebenheiten. Wie bist du bei der Recherche vorgegangen und welche Materialien hast du in das Stück einfließen lassen?
Johannes Wenzel: Wir haben mit sehr vielen Expert:innen gesprochen – Klimaanwälten, Kampaignern, Politikberater:innen, Wirtschaftsexpert:innenen, Ministeriumsmitarbeiter:innen, Lobbyisten, Politiker:innen. Im Falle von „Hitze“ ist das Thema natürlich sehr anspruchsvoll, was die gesellschaftspolitische Komplexität, aber v.a. auch Fachjargon usw. angeht. Es musste also einerseits darum gehen, ein Publikum an das Thema historisch-inhaltlich heranzuführen, Möglichkeiten aufzuzeigen, und dabei aber auch unterhaltend zu sein und prägnante Theatermomente zu erzeugen, die alle Sinne ansprechen.
In dem Stück schlüpfen fünf Schauspieler:innen laufend in wechselnde Rollen. Was steckt hinter dieser Inszenierungsidee?
Johannes Wenzel: Wir machen das, auch in bisherigen Arbeiten, gerne, dass Schauspieler nicht mit einer durchgehenden Rolle, sondern, gewissermaßen als Schauspieler und Erzähler zugleich auftreten, und so in unterschiedliche Rollen schlüpfen können. Gerade in thematisch anspruchsvollen Stücken oder wenn es viele Zeitsprünge gibt, kann man so leicht und spielerisch in unterschiedlichste Situationen und Konstellationen springen. Im Zusammenhang mit den Klimaklagen gibt es einfach sehr viel beteiligte Institutionen, Betroffene und Berufsgruppen, da hat sich das erneut angeboten. Auch um Leichtigkeit und Geschwindigkeit zu erzeugen.
Das Stück wird nicht ohne Grund in Karlsruhe aufgeführt, die ja als “Stadt des Rechts” gilt. Als Wendepunkt in der Geschichte der Klimaklagen erscheint das Urteil des Bundesverfassungsgerichts für strengere Klimaziele 2021. Es gilt als wegweisend – inwiefern?
Johannes Wenzel: In einer gewissen Hinsicht rekapitulieren wir bis zum Klimabeschluss von 2021, verknappt, die Geschichte der Klimaklagen und anschließend schauen wir davon ausgehend in mögliche Zukünfte. Dieser Klimabeschluss war in der Tat ein Gamechanger, danach berufen sich diverse themenverwandte Klagen darauf. Urteile funktionieren, auch wenn sie abgewiesen würden, immer auch als Trampolin für neue Klageansätze. Und 2021 war ein ziemlich großes Trampolin. Der Staat ist demnach laut Grundgesetz, Artikel 20a, verfassungsrechtlich verpflichtet, alles Notwendige zu tun, damit heutige und insbesondere künftige Generationen ein „Recht auf (eine lebenswerte) Zukunft“ haben. Auch wenn das nach wie vor weder genügend geschieht noch genügend umgesetzt wird, gibt es einen wichtigen Hebel an die Hand, um auf Politik, Wirtschaft, Justiz und Zivilgesellschaft einzuwirken.
Das Stück handelt zwar nicht direkt von Wasser, doch schwingt es immer mit. Wie kann es gelingen, die gesamte Gesellschaft davon zu überzeugen, sich für den Erhalt und Schutz unseres (Trink)Wasser einzusetzen?
Johannes Wenzel: Wir müssen als Zivilgesellschaft auf allen Ebenen engagiert bleiben und Druck auf die Entscheider machen. Das haben wir auch in unseren Expertengesprächen gemerkt, die Entscheider sind darum oft sogar froh. Die Zivilgesellschaft ist also besonders wichtig. Entsprechend wird die Frage der Öffentlichkeit zentral sein, und wie wir uns da vor den Interessen von Big Tech und Co. schützen. Das ist Voraussetzung, damit NGOs und Zivilgesellschaft ihren Job machen können.
Das Stück zeigt eindrücklich, wie Theater komplexe gesellschaftliche Themen erfahrbar macht und Debatten anstößt. Die Hitze und das Recht ist ein vielschichtiges Theatererlebnis – und ein besonderer Programmpunkt zum Weltwassertag.
Die Hitze und das Recht
von Matthias Naumann (Futur II Konjunktiv)
22.3.2026, 19.00, Insel
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