Zwischen Idylle und Revolution: Internationale Händel-Festspiele Karlsruhe 2026

Die Internationalen Händel-Festspiele zeigen spannende Opern und mitreißende Konzerte, präsentieren Stars und Junge Talente, pflegen die Tradition und gehen neue Wege.
Im Zentrum der Karlsruher Händel-Festspiele 2026 steht die 1724 uraufgeführte Oper Tamerlano, die aus Händels Opernschaffen auf besondere Weise herausragt: Sie ist ein ungewöhnlich psychologisch angelegtes
Musikdrama von ebenso zwischenmenschlicher wie politischer Dimension. Wenngleich die Handlung lose historische Begebenheiten aufgreift, ist sie problemlos auf andere Zeiten übertragbar. So steht eine Aussage des vom Mongolenfürsten Tamerlan gefangenen Sultan Bajazet als Motto über den Festspielen: „Standhaftigkeit und Verachtung sind Waffen gegen die Tyrannei.“ Dieses Thema bietet einerseits die Gelegenheit, ein jederzeit und überall präsentes Herrschaftsphänomen mit den Mitteln der Kunst zu betrachten. Und andererseits lässt es sich auch im Sinne des Aufbrechens von starren Reglementierungen verstehen. Viele der Programmpunkte des Konzert- und Rahmenprogramms schöpfen daraus ihre Inspiration. Beispielhaft seien hier vier davon herausgegriffen, die die inhaltliche Bandbreite von der pastoralen Idylle der Oper Atalanta bis zum Ausbruch einer musikalischen Revolution durch das Janoska-Ensemble abstecken.
Atalanta – Der Traum von einer heilen friedlichen Welt
Die eher selten gespielte Oper Atalanta schrieb Händel 1736 anlässlich einerHochzeit im englischen Königshaus. Entsprechend friedfertig und amourös sind die zwischenmenschlichen Verwicklungen, bevor das Hauptpaar glücklich zueinander findet. Die männliche Hauptrolle singt der Countertenor Dennis Orellana, dessen internationale Karriere seit seinem Sieg beim 1. Internationalen Farinelli-Wettbewerb 2025 noch einmal mehr an Fahrt aufgenommen hat, und auch in den anderen Partien sind junge Sängerinnen und Sänger zu hören, die am Beginn einer großen Karriere stehen. Für die musikalische Leitung kehrt auf vielfachen Wunsch Lars Ulrik Mortensen nach Karlsruhe zurück und lässt musikalisch in der Christuskirche eine arkadische Welt ohne Zwietracht oder Machtstreben erleben.
Galakonzert mit Maayan Licht – Brückenschlag zwischen den Zeiten
Das Gala-Eröffnungskonzert der Deutschen Händel-Solisten unter der Leitung von Attilio Cremonesi unterminiert die Macht der Gewohnheit, indem es eine unmittelbare Beziehung zwischen Barock und 20. Jahrhundert knüpft, (und auch Maayan Licht ist ein Meister darin, die angeblich „alte“ Musik ins Heute zu holen: Er ist nicht nur für seine Live-Auftritte gefeiert, sondern gilt auch als Social-Media-Phänomen mit Hunderttausenden von Aufrufen.) Mit seiner besonderen Bühnenpräsenz zeigt der Sopranist im Konzert die große emotionale Bandbreite barocker Arien, die verschränkt sind mit der Simple Symphony von Benjamin Britten, der Fantasia on a Theme by Thomas Tallis von Ralph Vaughan Williams und Arvo Pärts Kultstück Fratres. Wie sehr diese neuzeitlichen Instrumentalwerke der Geist alter Zeiten inspirierte, wird durch die historische Spielweise der Deutschen Händel-Solisten besonders spürbar.
Festkonzert mit Andrea Marcon – Zwischen Tyrannei und Versöhnung
Mit dem Dirigenten Andrea Marcon kommt einer der renommiertesten Musiker und Spezialisten für historische Aufführungspraxis nach Karlsruhe, um dem Festivalmotto „mit Concerti, Arien, Duetten zwischen Tyrannei
und Versöhnung“ von Händel, Veracini und Vivaldi musikalisch nachzuspüren. Solistisch zu hören sind die Sopranistin Benedetta Zanotto und der Altus Andrea Gavagnin, beide auf dem Sprung in die internationale
Karriere, sowie mit dem Barockgeiger Gianpiero Zanocco ein langjähriger Weggefährte von Marcon, u. a. als Konzertmeister des Venice Baroque Orchestra.
Janoska-Ensemble: Revolution! – Altbekanntes in neuem Licht
Eine buchstäblich mitreißende Revolution der besonderen Art ist im Großen Haus zu erleben, wenn das Janoska-Ensemble das Improvisationspotential bekannter Werke entfesselt: Werke von Bach, Vivaldi, Mozart, Kreisler, Schumann ... – und bekannte Songs der Beatles. Ebenso wie in den 1960er-Jahren die vier „Pilzköpfe“ aus Liverpool mit ihrem neuartigen Stil die Musikszene revolutionierten, ist es auch dem vierköpfigen Janoska
Ensemble aus Bratislava gelungen, „ihren singulären Stil zur Eigenmarke und zugleich auch zum Genre-Begriff zu machen“, so die Presse: „Ihr Janoska Style transponiert auf künstlerischem Top-Niveau bekannte Referenzen aus Klassik bis Pop in ein hörbar verwandtes und dennoch anderes neues Ganzes. Er besitzt die seltene Kraft, Stammhörer völlig gegensätzlicher Genres auf Anhieb zu begeistern.“
Internationale Händel-Festspiele Karlsruhe 2026
vom 20.2. - 8.3.2026
Weitere Infos finden Sie hier.