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Kleist-Förderpreis 2026 geht an Kaleb Erdmann – Uraufführung von „Debritz“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Kleist-Förderpreis 2026 geht an Kaleb Erdmann – Uraufführung von „Debritz“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe - Foto: Jakob Kielgaß

Der 31. Kleist-Förderpreis für neue Dramatik geht an den Autor Kaleb Erdmann. Ausgezeichnet wird sein Stück Debritz, das mit dem renommierten Preisgeld von 10.000 Euro sowie einer Uraufführungsgarantie verbunden ist. Diese übernimmt in diesem Jahr das Badische Staatstheater Karlsruhe, das das prämierte Stück zur Uraufführung bringen wird.

Die Premiere von Debritz findet am 25. Juni 2026 um 20 Uhr in der Spielstätte Neues Entrée statt. Die Inszenierung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Kleist Forum Frankfurt (Oder). Regie führt Brit Bartkowiak, Oberspielleiterin am Badischen Staatstheater Karlsruhe.

Ein vielschichtiges Stück zwischen Farce, Märchen und Sozialdrama

Debritz ist eine ebenso komische wie tiefgründige Mischung aus Farce, Märchen, Satire und Sozialdrama. Im Mittelpunkt steht der fiktive Ort Debritz im Osten Deutschlands. Dort betreiben Peggy und ihr Lebensgefährte Maik einen Schweinehof – in einer Umgebung, die von Trostlosigkeit, Staub und Trockenheit geprägt ist. Als eine örtliche Solequelle das Grundwasser verschmutzt und die Schweine das Wasser nicht mehr vertragen, will Peggy die Quelle trockenlegen.

Doch ihr Vorhaben stößt auf Widerstand: Der Salinenverein träumt von der Rückkehr der ruhmreichen Salzstadt Debritz und sogar von der Wiederauferstehung Kaiser Barbarossas. Auch Simone aus Böblingen profitiert vom Debritzer Salz – als Heilmittel und als exklusiver Verkaufsschlager ihrer Marke „Fragrances by Simone“. Über all dem schwebt der Salzgeist, eine überzeitliche Naturgewalt mit Vorliebe für Vita Cola, dem die menschlichen Konflikte gleichgültig sind. Er denkt in weit größeren Zeiträumen.

So verhandelt Debritz mit großer Leichtigkeit zentrale Gegensätze: Osten und Westen, Geschichte und Gegenwart, Natur und Mensch, Selbstbestimmung und Schicksal – und wird zu einem lustvollen Plädoyer für das Theater selbst.

Jury würdigt Leichtigkeit, Präzision und Komik

In ihrer Begründung hebt die Jury hervor:

„Mit großer Leichtigkeit und Präzision versetzt Kaleb Erdmann die verschiedenen Gegensätze, die Debritz durchziehen, in Schwingung. […] Zwischen Volkstheater, Märchen, Satire und Sozialdrama ist ‚Debritz‘ vor allem eins: ein lustvolles Plädoyer fürs Theater.“

Die Jury des Kleist-Förderpreises 2026 setzte sich zusammen aus:

  • Florian Vogel, Künstlerischer Leiter des Kleist Forums Frankfurt (Oder) (Jury-Leitung)
  • Agnese Grieco, Autorin, Philosophin, Dramaturgin und Regisseurin (Laudatorin)
  • Claus Ceasar, Schauspieldirektor, Badisches Staatstheater Karlsruhe
  • Lea Nienhoff, Kulturreferentin Frankfurt (Oder)
  • Anke Pätsch, Direktorin Kleist-Museum
  • Kerstin Grübmeyer, Vorstand Dramaturgische Gesellschaft / Theater Aachen
  • Michael von zur Mühlen, Vorstand Dramaturgische Gesellschaft
  • Petra Thöring, Dramaturgin, Hessisches Landestheater Marburg
  • Jack Kurfess, Theater Consultant

Preisverleihung und erste Präsentation

Die offizielle Preisverleihung mit einer Laudatio von Agnese Grieco findet im Rahmen der Kleist-Festtage am 7. Oktober 2026 in Frankfurt (Oder) statt. An diesem Abend wird „Debritz“ dort erstmals gezeigt, bevor das Badische Staatstheater Karlsruhe die Uraufführung übernimmt.

Zum Autor

Kaleb Erdmann, geboren 1991 in Witten an der Ruhr, ist Autor und Dramatiker. Er studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Debütpreis der lit.COLOGNE sowie dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises. Sein Debütroman „wir sind pioniere“ erschien 2024, sein zweiter Roman „Die Ausweichschule“ folgte 2025 und stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Für das Berliner Ensemble schrieb er 2025 das Stück Always Carrey On.

Zum Kleist-Förderpreis

Für den Kleist-Förderpreis für neue Dramatik 2026 wurden 174 Theatertexte eingereicht – so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Preises. Die Auszeichnung wird seit 1996 von der Kleist-Stadt Frankfurt (Oder), dem Kleist Forum und der Dramaturgischen Gesellschaft vergeben und gilt als wichtiger Wegbereiter für neue Stimmen im deutschsprachigen Theater.