KlangÖffner der Staatskapelle – Ein Format neu gedacht

Um nicht nur junge Menschen anzusprechen, sondern alle, die sich einen moderierten Einstieg in die klassische Musik wünschen, erhielten die Jugendkonzerte der Badischen Staatskapelle in der Spielzeit 2022/23 einen neuen Anstrich und wurden zu den KlangÖffnern. Drei Spielzeiten später wird aus der räumlichen Not, die durch die Umbaumaßnahmen entsteht, eine Tugend gemacht und die KlangÖffner wiederum neu gedacht: Aus dem Kleinen Haus ziehen sie in das Neue Entrée; und statt der Badischen Staatskapelle liefert ein Klavier fortan die Klangbeispiele. Der Orchesterklang geht aber nicht verloren, sondern gesellt sich im Rahmen eines anschließenden Probenbesuches dazu.
So wirft sich aber die ganz grundsätzliche Frage auf: Können Klänge überhaupt geöffnet werden? Physikalisch gesehen ist das durchaus möglich, denn ein Klang ist zusammengesetzt aus einer Mischung mehrerer Töne, bestehend aus einem Grundton und einer Fülle von Obertönen: Die Zusammensetzung beeinflusst nicht nur die hörbare Tonhöhe, sondern auch den instrumentalen Klang, denn bei jedem Instrument ist sie eine andere. Dieser Aufbau kann mit Hilfe unterschiedlicher Geräte und Verfahren analysiert, also gewissermaßen geöffnet und sogar sichtbar gemacht werden.
Ähnlich dem Klang bestehen auch Partituren aus komplexen Zusammensetzungen – nicht nur einzelne Töne und Akkorde, sondern auch die Rhythmik, die motivisch-thematische Arbeit, die Form und nicht zuletzt die Instrumentation sowie Artikulation und dynamische Aspekte bestimmen das Klangbild eines Orchestersatzes. Diesen grundlegenden Elementen nachzugehen, deren Entwicklung zu verfolgen, darüber nachzudenken und Erklärungen zu finden, wieso etwas in der jeweiligen Art und nicht anders klingt, bietet Möglichkeiten, tiefer in eine Partitur einzudringen und sie dadurch ihrerseits für Augen und Ohren zu öffnen.
Als effiziente Hilfe beim Klangöffnen, wenn gerade mal kein Sinfonieorchester zur Verfügung steht, hat sich das Klavier bewährt, denn auf kaum einem anderen Instrument lassen sich musikalische Abläufe und Zusammenhänge so gut darstellen. Somit werden, vergleichbar einem Schwarz-Weiß-Bild oder einer Druckgraphik, die wichtigsten Informationen zum Klingen gebracht. Der Orchesterklang bietet dann, wenn das Werk in Originalgestalt zu hören ist, die Tiefenschärfe und Farbigkeit.
Aber das Öffnen hat noch weitere Ebenen: Nicht nur das in der Partitur Festgehaltene bestimmt, was wir hören und wahrnehmen, sondern auch das entstehungsgeschichtliche Umfeld: Wann, in welchen Zeiten, in welchen Entwicklungsphasen der Komponistinnen und Komponisten, an welchen Orten, für welche Orchester respektive
Musizierende wurde die Musik geschrieben? Alles das sind Fragen, deren Beantwortungen zum Verständnis eines Werkes, egal ob es erst 30 oder schon 150 Jahre alt ist, beitragen.
Mit Richard Wagners David in den Meistersingern von Nürnberg könnte man nun sagen: „Wer alles das merkt, weiß und kennt, wird doch immer noch nicht ‚Meister‘ genennt.“ Denn über alle diese Parameter hinaus enthält die Musik doch auch einen metaphysischen Kern, der sich der Analyse und anderen Öffnungsversuchen entzieht und gerade jenen Zauber ausmacht, den die Musik den anderen Künsten voraushat. Trotzdem werden eine gewisse Neugier und ein forschender Geist belohnt und wer immer sich den Geheimnissen einer Partitur annähert, wird beim Hören durch offenere Ohren belohnt – denn: „Man hört nur, was man weiß!“
KlangÖffner
22.1.2026 2. KlangÖffner – Francis Poulenc Les dialogues des Carmélites
13.5.2026 3. KlangÖffner – Benjamin Britten A Midsummer Night's Dream
24.4.2026 Wolfgang Rihm Marsyas
3.7.2026 Johannes Brahms 1. Sinfonie
Weitere Infos zu den KlangÖffnern finden Sie hier.